Merseburger Persönlichkeiten
König Heinrich I.
Heinrich I. wurde um 875 geboren. Nach 919 errichtete er in Merseburg eine Königspfalz, die sich zu einer der bedeutendsten Pfalzen des entstehenden deu- tschen Reiches entwickelte. 933 gelang es seinem Heer, die eingefallenen Ungarn bei Riade entschei- dend zu schlagen. Laut zeitgenössischer Geschichtsschreibung ließ Heinrich I. dieses bedeutende Ereignis in einem Wandgemälde in seiner Merseburger Pfalz darstellen. Am 02.07.936 starb König Heinrich I. in seiner Pfalz in Memleben.
Hatheburg
Hatheburg war die Tochter des in Merseburg reich begüterten Erwin, eines Grafen des Hasegaus und der Thuringa Australis, der aller Wahrscheinlichkeit nach auf dem Weinberg in der Altenburg seinen Sitz hatte.
In Trauer um ihren verstorbenen Gemahl hatte Hatheburg gelobt, ihr weiteres Leben als Nonne im Kloster zu verbringen. Da begegnete ihr Heinrich I., der Sohn des Herzogs Otto und spätere König und sie wurde seine erste große Liebe. Der Dreißig- jährige warb um Hatheburg wegen ihrer Schönheit und der Brauchbarkeit ihres Erbes. Aber nichts von alledem, was Heinrich tat, gründete sich ausschließlich auf seine Gefühle. Rasches Handeln war geboten: Hatheburgs stolze Mitgift, die Alte Burg samt der dazugehörigen Ländereien, wäre unter die Hoheit der Kirche geraten, wenn sie sich für ein Leben hinter Klostermauern entschieden hätte. Die umfangreichen Ländereien aber sollten Heinrich helfen, seinen Einflussbereich auszudehnen, denn er hatte sich auf den Weg begeben, der mächtigste Fürst des Ostfrankenreiches zu werden. So heiratete er sie und gelangte dadurch in Besitz des größten Teils von Merseburg, eines Gutes, das er in den folgenden Jahren zu mehren verstand.
Bald nach dem Tode Erwins dürfte Heinrich auch über die hiesige Grafschaft weitgehend verfügt haben. Das Bischof Siegmund von Halberstadt die Ehe für rechtswidrig erklärte, weil Hatheburg die Kirche nicht gebeten hatte, ihre verpflichtenden Bindungen zum Kloster endgültig zu lösen, kam Heinrich zupass. Bereits drei Jahre später, 909, ließ er sich scheiden und heiratete Mathilde, eine Nachfahrin des Westfahlen Widukind, die ebenso stark begütert, obendrein aber auch einflussreich war und damit seinen zentralistischen Plänen entgegen kam.
Hatheburg ging nun doch ins Kloster. Seine Merseburger Besitzungen behielt Heinrich trotzdem und überschrieb sie nicht, wie es üblich gewesen wäre, auf seinen und Hatheburgs Sohn Thankmar, der im Jahre der Scheidung zur Welt kam.
Kaiser Otto I.
Sohn Heinrichs I., wurde am 23.10.912 geboren. Auch für Otto I. war Merseburg ein wichtiger Pfalzort. Am 10.08.955 gelobte er vor der Schlacht auf dem Lechfeld, im Falle eines Sieges über die Ungarn, in Merseburg ein Bistum zu gründen. 968 zog Boso als erster Bischof in Merseburg ein und die Pfalzkirche Heinrichs I. wurde zur Kathedrale erhoben. Kaiser Otto I. starb am 07.05.973 in Memleben und wurde im Magdeburger Dom beigesetzt.
Kaiser Heinrich II.
Heinrich II. wurde 973 geboren. Während seiner Regierungszeit (1002-1024) entwickelte sich die Pfalz Merseburg, die er allen anderen Pfalzen vorzog, zu einem Zentrum des deutschen Reiches. 1004 stellte Heinrich II. das Bistum Merseburg wieder her. Am 18.05.1015 legte Bischof Thietmar den Grundstein zu einem Neubau des Domes. Heinrich II. förderte den Dombau durch kostbare Geschenke und nahm an dessen Weihe 1021 selbst teil. Er starb 1024 in der Pfalz Grona bei Göttingen.
Bischof Thietmar
Thietmar wurde am 25.07.975 in Walbeck geboren. Er entstammte angesehenen Grafenhäusern mit einer weitverzweigten, hochadligen Verwandtschaft. Im Quedlinburger Damenstift und vor allem im Magdeburger Domstift erwarb er u.a. zusammen mit Erzbischof Brun II. von Querfurt eine hervorragende Bildung. 1009 zum Bischof von Merseburg geweiht, legte er 1015 den Grundstein zum Bau des Domes St. Lauentii und Johannis baptistae zu Merseburg. In den Jahren 1012-1018 schrieb er die berühmte Chronik, die eine der bedeutendsten Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters ist. Sie umfasst acht Bände und erlaubt einen ausführlichen Einblick in die Gedankenwelt eines vor tausend Jahren lebenden Klerikers und Geschichtsschreiber. Die Erstausgabe der Chronik, in gedruckter Form, erfolgte 1580. Im Jahre 1606 wurde sie aus dem Lateinischen in die deutsche Sprache übersetzt. Bischof Thietmar starb am 01. Dezember 1018 und wurde in Merseburg beigesetzt.
Kunigunde
Die christliche Heilige wurde um 980 als Tochter des Grafen Siegfried von Luxem- burg geboren. Um das Jahr 1000 wurde sie Gemahlin des Kaisers Heinrich II. Gemeinsam mit ihrem Gemahl gilt sie als Stifterin des Merseburger und des Bamberger Domes. Aus den Jahren ihrer Ehe sind insgesamt 26 Aufenthalte des Kaiserpaares in Merseburg überliefert. Kunigunde galt als wache, tapfere, kluge Frau, die dem Kaiser auch in politischen Fragen zur Seite gestanden haben soll. Ein besonderes Attribut von Kunigunde ist die Pflugschar. Der Legende nach ging die der Untreue bezichtigte Kunigunde zum Beweis ihrer Unschuld über glühende Pflugscharen. Sie starb am 03.03.1033 oder 1039 in Kaufungen bei Kassel und wurde im Dom Bamberg beigesetzt. Ihre Ehe blieb kinderlos. Im Jahre 1200 wurde sie gemeinsam mit ihrem Gemahl heiliggesprochen.
Bischof Thilo von Trotha
Thilo entstammte einer alten Ministerialen- familie. Ab 1466 residierte Thilo als Bischof in Merseburg. Er entfaltete eine rege Bautätigkeit, die Stadt und Stift entscheidend prägte. Sein an vielen Bauwerken angebrachtes Wappen, ein Rabe mit einem Ring im Schnabel, erinnert wie die bekannte Rabensage noch heute an ihn. Um 1470 begann Bischof Thilo mit einem Schlossneubau und um 1510 folgte eine umfassende Erneuerung des Domes. Bischof Thilo starb 1514 und wurde im Merseburger Dom beigesetzt.
Johann Michael Hoppenhaupt
Johann war Bildhauer und Architekt. Am 25.06.1685 wurde er in Merseburg gebo- ren. 1711 erwirbt er das Merseburger Bürgerrecht. Seine erste Merseburger Arbeit war mit goßer Wahrscheinlichkeit die Ausgetsaltung der Gemächer des jungen Herzogpaares Moritz Wilhelm und Henriette Charlotte im Ostflügel des Merseburger Schlosses. Er schuf das Porzellankabinett im Merseburger Schloss. 1713 wird er zum Fürstlich Sächsischen Hof-Bildhauer ernannt und 1717 zum Fürstlich Sächsischen Land-Baumeister. Des weiteren sind Prunksärge für die Fürstengruft des Merseburger Domes von ihm gebaut wurden. 1727 - 1731 errichtete er den Merseburger Schloss- gartensalon, 1738 die Obere Wasserkunst in der Merseburger Altenburg und 1744 baute er das versunkene Schlösschen in Merseburg, welches 1988 abgerissen wurde. Am 14.09.1751 verstirbt er in Merseburg.
Johann Joachim Quantz
Als Sohn eines Hufschmieds, am 30.01. 1697 in Scheden bei Göttingen geboren, wurde er nach dem frühen Tod seiner Eltern zunächst von einem als Stadtmusikus in Merseburg tätigen Onkel und später dessen Kollegen aufgezogen. Dort erhielt er eine Ausbildung als Stadtpfeifer und begann seine ersten kompositorischen Versuche, wobei sein damaliges Hauptinstrument noch die Violine war. Nach kurzen Aufenthalten in Radeberg, Pirna und Dresden kehrte Quantz 1714 nochmals nach Merseburg zurück, bevor er 1716 eine Stelle bei dem Dresdner Stadtmusikus Gottfried Heyne antrat. Nachdem er viele Reisen durch Europa unternahm, kam er 1727 nach Dresden zurück und wurde Flötist im gleichen Orchester. Später baute er selbst Flöten, außerdem komponierte er ca. 300 Konzerte und zahlreiche Sonaten, Suiten und Kammermusik. J.J. Quantz verstarb am 12.07.1773 in Potsdam.
Carl von Basedow
Carl Adolph von Basedow wurde am 28.03.1799 in Dessau geboren. Er studierte Medizin, promovierte 1821 und ließ sich 1822 in Merseburg als Arzt nieder. 1840 beschrieb er erstmals die Symptome der später nach ihm benannten Schilddrüsenerkrank- ung, der Basedowschen Krankheit. 1841 wurde Dr. von Basedow Sanitätsrat und 1848 zum Merseburger Kreisarzt ernannt. Am 11.04.1854 verstarb Carl Adolph von Basedow in Merseburg und wurde auf dem Stadtfriedhof beigesetzt.
Ernst Haeckel
Ernst Haeckel war Zoologe und Philosoph. Er wurde am 16.02.1834 in Potsdam als Sohn des preußischen Oberregierungsrats Carl Haeckel und dessen Frau Charlotte (geb. Sethe) geboren. Obwohl er sich bereits während seiner Schulzeit in Merseburg intensiv der Pflanzenkunde gewidmet hat, studiert er auf Wunsch der Eltern Medizin in Berlin, Würz- burg und Wien. Am 09.08.1919 stirbt Ernst Haeckel in seiner Villa Medusa in Jena.
Friedrich Zollinger
Friedrich wurde am 31.03.1880 in Wiesbaden geboren. Bevor Friedrich Zollinger 1918 in Merseburg zum Stadtbaurat berufen wurde, war er unter anderem als Architekt und Stadtbaumeister tätig. Er mühte sich in der Folgezeit erfolgreich um die Lösung des Woh- nungsproblems in Merseburg und seine von ihm erfundene Zollbauweise, eine Dachkonstruktion, fand breite Anwendung. Friedrich Zollinger entwarf außerdem für die Stadt einen Generalbebauungs- plan mit großzügigen und weitsichtigen Projekten.
Elisabeth Schumann
Geboren wurde die berühmte Sopranistin am 13.06.1885 in Merseburg. Ihr Vater Alfred Schumann, Lehrer an der gehobenen Bürgerschule, war von 1880 bis 1910 als Dirigent des Männergesangvereins in Merseburg aktiv künstlerisch tätig. Sie studierte in Dresden, Berlin und Hamburg und debütierte 1909 in Hamburg als Sopranistin. Von 1915 bis 1938 war Elisabeth Schumann Mitglied der Metropolitan Opera New York. 1938 wanderte sie in die USA aus, wo sie unter anderem als Gesangs- lehrerin wirkte. Elisabeth Schumann war eine hervorragende Mozart- und Straussinterpretin. Mit Caruso als Partner eroberte sie sich Weltruhm. Ihre Rollen als Eva in "Die Meistersinger von Nürnberg", als Sophie in "Der Rosenkavalier" und als Pamina in "Die Zauberflöte" werden unvergessen bleiben. Auch in Merseburg gab sie Konzerte, 1928 im Schlossgartensalon, 1933 zur Tausendjahrfeier und letztmalig 1934 anlässlich eines Liederabends. Nach dem Krieg begann sie wieder ihre ausgedehnten Tourneen und sang 1950, auf dem Klavier begleitet von Michael Raucheisen, in Berlin. Sie starb am 23.04.1952 in New York. Ihr sehnlichster Wunsch, nach dem Krieg ihre Heimat wieder- zusehen, blieb unerfüllt.
Siegfried Berger
Siegfried Berger wurde 1891 in Merseburg geboren. Er promovierte 1918 zum Dr. Phil. und arbeitete dann als Chefredak- teur des "Merseburger Korrespondent". 1927 wurde Berger Mitarbeiter der Provinzialver-altung, 1928 Landesrat der preußischen Provinz Sachsen und 1945 Präsident des Regierungsbezirkes Halle-Merseburg. Siegfried Berger, der zugleich auch als Schriftsteller tätig war, veröffentlichte zahlreiche Publikationen. 1946 starb er in Halle und wurde in Merseburg auf dem St. Viti-Friedhof beigesetzt.
Walter Bauer
Walter Bauer wurde am 04.11.1904 in Merseburg geboren. In den Jahren 1919 bis 1925 besuchte er das staatliche Lehrerseminar. Beim "Merseburger Kor- respondent" war er als Berichterstatter tätig, außer- dem wirkte er als Redakteur der Kinderwochenzeitung "Der Hutzelmann". Sein Germanistikstudium absolvierte er von 1928 bis 1930 in Halle, wohin er auch seinen Wohnsitz verlegte. 1930 erschien sein zweites Buch "Stimme aus dem Leunawerk". Insgesamt veröffentlichte er ca. 90 Bücher. Nachdem er 1952 nach Kanada auswanderte, lehrte er an der Universität in Toronto. Am 23.12.1976 verstarb er nach zweiwöchigem Krankenlager. Die Merseburger Stadtbibliothek trägt heute seinen Namen.